Alles Leder, oder was?

Bleibt noch das Argument bestehen, dass beide Beispieltrensen ein Schildchen mit der Aufschrift “Leder” tragen. Mann kennt das selbst, so ein “Zertifikat” vermittelt sofort den Eindruck von Qualität. Hier lässt Rausch jedoch einige Illusionen platzen wie Seifenblasen. Seiner Erfahrung nach wer­den Leder gerade bei sehr günstigen Angeboten und im Onlinegeschäft (bewusst) falsch dekla­riert. Dabei ist in Deutschland genau definiert, welche Bezeichnungen für welches Material ver­wendet werden dürfen. Als „Leder”, „Echt Leder” oder „Echtes Leder” darf nur ungespaltene oder gespaltene tierische Haut bezeichnet werder deren gewachsene Fasern erhalten und natür lich verflochten sind. Im Gegensatz dazu gibt – analog zu Press-Spanplatten beim Holz – Mate­rialien aus aufgelösten, gemahlenen, verklebten und zu Bahnen verarbeiteten Lederfasern. Diese darf der Hersteller nicht als Leder bezeichnen. Auch wenn der Hersteller zu dick aufträgt, gel­ten Einschränkungen. Wird auf Leder eine Schicht (Farbe, Folie, Schaum) aufgebracht, die dicker ist als 0,15 mm, oder macht diese Schicht mehr als ein Drittel der Gesamtstärke aus, so muss dieses Material als „beschichtetes Leder” deklariert wer­den. Eine Ausnahme stellen nur Lackleder dar. Besteht ein Produkt aus dem Fleischspalt, so muss es mit dem Wort„Spaltleder” gekennzeichnet sein (oft auch als „Split” bezeichnet). Setzt sich ein Pro­dukt aus Kunst- und echtem Leder zusammen, so muss der Teil, der für den Gebrauch erheblich ist, aus echtem Leder bestehen, damit die Bezeich­nung „Lederprodukt” erlaubt ist. Eine exakte Kenn­zeichnung von Leder ist allerdings nur bei Schu­hen vorgeschrieben, hier werden Obermaterial, Futter und Sohlen getrennt ausgewiesen.