Warning: Creating default object from empty value in /home/satte002/public_html/wp-content/plugins/wpseo/wpseo.php on line 14
Carmargue – Wassergetiere und Vögel » Berliner, Habichtskraut, Reis, Verwandten, Fest, Schlag » Sattelblog

Carmargue – Wassergetiere und Vögel

Auch das andere Wassergetier, vor allem die Reiher, kam uns scheu vor, weit scheuer als die Wattvögel unserer Nordseeküste, die Flamingos aber, mehrere Tausend, genug, eine zarte, pastellene Fleischfarbe über die Erde zu ziehen, waren verschwunden. Und dabei sind sie eine Kuriosität, derengleichen es weder im Mittelmeer noch im Orient noch in den Schotts Nordafrikas gibt — man muß, wenn man den nächsten Massenstandort aufsuchen will, sich bis an die Kaspische See begeben.
Wir nahmen in Hugos Auto den Weg nach Salin-deGiraud. Rechts jenseits eines Grabens ein nie gesehenes Feld, frischgrüne, fußhohe, im Wasser stehende Halme, dicke, fruchtstrotzende Ähren, Reis, der wie kein anderes Getreide den Eindruck üppigen Spendens macht. Dem Reis als dem Erdroßler der wilden Camargue gilt der Haß des Reservat-Leiters, des Professors Tallon, der uns mit manchen Ratschlägen auf die Fahrt geschickt hatte, eines leidenschaftlichen Botanikers, der, wie es schien, von allen Vernichtungen des zweiten Weltkrieges die der Berliner Hieracium-Sammlung am meistenbedauerte — das Habichtskraut ist die in ihrer Artengliederung schwierigste Gattung unserer Breiten, das große systematische Problem der Botanik, und es sieht so aus, als sei mit dem Untergang des Berliner Herbars jede Chance geschwunden, diesen Wirrwarr zu ordnen. Ich konnte mit dem Professor fühlen — habe ich doch auch einst mit der Verblendung des Anfängers mich am Habichtskraut versucht und dieses hybride Unternehmen erst aufgegeben, als ich entdeckte, daß fast keine Pflanze der andern glich, jede also als eigene Art geführt werden mußte.
Eine Siedlung, Baumkulissen, dann auf der rechten Seite der Spiegel des Atang Vaccars, der größten Camargue-Lagune, und am Ufer einige kniehohe, sparrige, violett blühende Pflanzen, in denen ich Statice zu erkennen glaubte — ich empfand den köstlichen Schlag, das botanische Fest, wenn man im Neuen das Alte, im Unbekannten das Vertraute entdeckt. Mit dem Wiederstoß, einem artenreichenGrasnelkengewächs, das sich erst unter dem Himmel der Kanaren wohlig in den Reichtum seiner Anlagen hineinreckt, hatte ich in den Gärten Teneriffas Freundschaft geschlossen, und nun sah ich ihn hier, ich sah einen etwas abgestiegenen Verwandten, aber immerhin noch jemand, den man als Verwandten anerkennen konnte. Ich ließ halten und eilte auf das Sträuchlein zu, wurde aber von hinten angerufen: ein zufällig vorbeiradelnder Wärter rief mir zu, das Land sei Privatbesitz. Wir waren noch außerhalb des Naturschutzgebietes, und nun sah ich auch ein Schild, das verbot, das Grundstück zu betreten. In dieser ungeheuren Einöde durfte man sich also weniger bewegen als in einem Großstadtpark — aber ich hatte die Intensität des französischen Besitzgefühles schon an der Riviera kennengelernt, wo man über Meilen hinweg vom Strand abgeschnitten wird, wo Vorgebirge und Buchten privatisiert sind, und wo man mitten in der Macchia auf Schilder trifft: „Passage interdit. Chien mechant.”