Beitrags-Archiv für die Kategory 'Spanien, Stierkampf & Flamenco'

Flamenco tanzen in tradiotionellen Gebieten Spaniens

Ecija: In der Guadalquivir Ebene gelegene griechische Gründung, berühmt durch die zahlreichen barocken, mit Azulejos verkleideten Türme. Bedeutend sind die Paläste der Stadt und die Kirche Santiago (1500, 1628 verändert) mit gotischem Retabel. EI Rocio: Kleine Ortschaft mit berühmter Wallfahrtskirche, an Pfingsten Ziel Tausender von Pilgern. Estepona: Urlaubsort mit noch recht ursprünglichem spanischen Leben (Fischauktionen, Obst- und Gemüsemärkte) und einer schönen Altstadt. Fuengirola: In den letzten Jahren stark gewachsener Badeort (schöner alter Ortskern) mit lebhaftem Fischerhafen. Prächtige Strandpromenade. Nahebei die Urbanisationen Carvajal u. Torreblanco. Granada: Dank seiner Lage am Fuße der schneebedeckten Sierra Nevada und dank der besonders reichen maurischen Baukunst vielleicht die sehenswerteste Stadt Spaniens. Von den Iberern gegründet, später römisch, gewannen 711 die Araber die Stadt, die nach dem Ende des Kalifats von Cördoba (1031) Metropole eines maurischen Königreiches wurde, das, obwohl seit 1246 den kastilischen Königen tributpflichtig, bis 1492 Bestand hatte. Heute ist Granada — u. a. Sitz eines Erzbischofs und einer Universität — Provinzhauptstadt. Die Nasriden errichteten im 14. und 15. Jh. hier ihre Residenz: die Alhambra. Der hinter schmucklosen Mauern aufgeführte Palast — geteilt in Mexuar (Rechtsprechung / Versammlungen), Diwan (königliche Amtsräume) und Harem — enthält glänzend ausgestattete Säle und Innenhöfe. Die wichtigsten sind der Gesandtensaal, der Saal der Könige und der Saal der bei
den Schwestern (Stalaktitengewölbe) sowie der Myrtenhof und der weltberühmte Löwenhof mit dem Brunnen der zwölf wasserspeienden Löwen aus schwarzem Marmor, der von einem grandiosen Arkaden- gang (124 Säulen) gesäumt ist. Neben der Alhambra ließ Karl V. (erste Pläne 1526 von Pedro Machuca) einen klassisch-strengen Palast errichten, der als Musterbeispiel der Renaissance gilt. Hier befinden sich das bedeutende Museo Nacional de Arte, das Hispana-Musulman und das Museo de Bellas Artes. Ebenfalls auf dem Burgberg findet man die Reste der Alcazaba, einer seit dem 9. Jh. bestehenden, im 13. Jh. neugestalteten Festung. Vom Torre de la Vela herrliche Aussicht. Abseits der eigentlichen Palaststadt entstand die Generalife (Gennat el Arif — Garten des Architekten) genannte Sommerresidenz mit stimmungsvollen Innenhöfen und schönen Gärten. — Bedeutende Bauwerke der Stadt sind die Kathedrale (begonnen 1523), bei der sich gotische mit Elementen des pla- tereskenStilsverbinden(präch- tige Westfassade und riesiger Innenraum, u. a. mit der von einer Kuppel bekrönten und Malaga: Bischöfliches Palais mit Apostelstatuen und Fresken geschmückten Capilla Mayor), die neben der Kirche liegende Capilla Real, Grabstätte der Katholischen Könige (1506-1517 in spätgotischem Stil errichtet, mit reichverzierten Sarkophagen, dem berühmten Passionstriptychon von Dieric Bouts und dem Hochaltar von Felipe Vigarni). Ferner das Kartäuserkloster (Cartuja) mit barocker Kirche und Sakristei in spanischem Barock, die freskengeschmückte Kirche San Jerönimo und die Paläste Casa de los Tiros (heute Volkskundemuseum) und Casa de Castril. Einen Besuch wert sind das Stadtviertel Albaicin, das sich seinen maurischen Charakter fast vollständig bewahrt hat, und (weniger) auf Sacromonte die Höhlenwohnungen der Zigeuner.

Thema: Spanien, Stierkampf & Flamenco

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Baeza: Die einst reiche Handelsstadt, zeitweise Sitz eines taifischen Königs, wurde 1227 als erste Andalusiens endgültig von den Christen zurückerobert und danach Sitz eines Bischofs und einer Universität (16.-19. Jh.). Bemerkenswert sind prächtige Bürgerhäuser. brunnengeschmückte Plätze die großartige Kathedrale, der reichdekorierte Palacio de Jabalquinto, die mit zweistökkigen Arkaden versehene Getreidehalle, die Kirche San Andres (1500-1520, gotische Malereien) und der gotische Palacio Montemar. Barbate de Franco: Bedeutender Fischerort (Thunfischfang) nahe Kap Trafalgar. Schöner freier Sandstrand. Cadiz: Von den Phöniziern gegründet, als Auguste Julia Urbs Gaditana bedeutender Handelsplatz der Römer und nach Versanden des Guadalquivirs Zentrum des Verkehrs zwischen der Alten und Neuen Welt, wurde die Stadt dreimal durch die Engländer (1587/ 1596/1801) beschossen, geplündert und niedergebrannt. Heute ist Cädiz eine wichtige Industriestadt (Schiffbau, Konserven, Salz aus San Fernando). Vielbesucht wegen seines schönen Stadtbilds. Herausragende Bauwerke sind die Neue Kathedrale (1722 begonnen, erst 1838 vollendet) mit dem vor allem an Monstranzen reichen Kirchenschatz und dem Grabmal des Komponisten Manuel de Falle, die Kapelle San Felipe Neri (mit Murillo-Altarbild), die Kirche San Agustin (Kruzifix von Montafies). Beachtung verdienen das Museo Archeolögico y de Bellas Artes und das Museo Histörico, u. a. mit einem Stadtmodell (18. Jh.) aus Elfenbein u. Mahagoni. Carmora,. Landstadt in der fruchtbaren Guadalquivir-Ebene römischen Ursprungs mit maurisch geprägtem Ortsbild. Nahebei eine römische Nekropole mit über 800, oft weitläufigen Grabstätten, von denen rund 250 freigelegt sind. Ghiclana de la Frontera: Beliebter Kurort (Bittersalzquellen) mit altem Stadtkern und malerischem Zigeunerviertel. Wenige Kilometer entfernt der Fischerhafen der Stadt, Sancti Petri. Davor eine Insel mit römischen Tempelresten. Conil: Ruhiger Fischerort mit weiten Sandstränden und einer für Unterwassersport geeigneten Felsküste. Cordoba: Am Guadalquivir in einer fruchtbaren Ebene gelegen, ist Cördoba eine der reizvollsten und geschichtsträchtigsten Städte Spaniens. Im 7. oder 8. Jh. v. Chr. gegründet, war der Ort zunächst Hauptstadt der römischen Provinz Hispania Ulterior, später der davon abgetrennten kleineren Provinz Baetica und in frühchristlicher Zeit Bischofssitz. Ihre Glanzzeit erlebte die Stadt unter maurischer Herrschaft (711-1236). Sie wurde Hauptstadt eines Kalifats (zeitweise 800 000 Einwohner) und das Zentrum von Kunst und Wissenschaft. Nach der christlichen Rückeroberung durch Ferdinand III., den Heiligen, verlor die Stadt an politischer Bedeutung. Heute ist sie eine lebhafte Provinzstadt, bekannt durch traditionsreiches Handwerk (Filigranschmuck, mit Gold und Silber eingelegte Lederwaren), vor allem jedoch berühmt durch ihre Bauwerke. Besonders hervorzuheben sind: die Mezquita, die einstige Hauptmoschee der Stadt und eine der größten des Islam, mit 856 Jaspis-. Porphyr- und Marmorsäulen. Kunstwerke ersten Ranges sind der Mihrab und seine Vorhalle. Der im 16. Jh. eingefügte christliche Kirchenraum besitzt ein prächtiges Chorgestühl.— Alcäzar (Nuevo) de los Reyes Cristianos, das ehem. Königsschloß mit Bauteilen aus maurischer Zeit aus dem 13./14. Jh. (Museum), umgeben von prachtvollen Gärten. —Torre de la Calahorra, um 1100 errichteter Festungsturm (jetzt Historisches Stadtmuseum). — Die Puente Romano, eine Brücke mit 16 maurischen Bogen auf römischen Pfeilern. Sehenswert sind außerdem die Juderia, das labyrinthische ehemalige Judenviertel, die Plätze mit Standbildern und Brunnen, der Colegio de la Merced, die Kirche Santa Maria, das Archäologische Museum im Palacio de los Paaz de Quintano, das Städtische Museum (Kunsthandwerk) und das Museo de Bellas Artes mit seiner glanzvollen Gemäldesammlung. Etwas außerhalb der Stadt: Medina Azzahara, die nur noch fragmentarisch (936 erbaut, 1013 zerstört) erhaltene Sommerresidenz Abd ar-Rahmans III., die restauriert wird.

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Flamenco tanzen in Andalusien -A-

Alpeciras: Bedeutende Hafenstadt (Korkexport und Fährverbindung nach Afrika). Sehenswert ist der lebhafte Fischerhafen. Unweit die Raffinerien San Roque. Almeria. Die Hauptstadt eines maurischen Taifa-Reiches war dank eines geschützten Hafens bedeutender Handelsplatz und Seeräuberstützpunkt. Heute werden von hier aus Eisenerz, Weintrauben und Orangen verschifft. Sehenswert sind das Fischerviertel Chanca, das von der im 8. Jh. errichteten (beim Erdbeben von 1522 stark zerstörten) Festung Alcazaba überragte Maurenviertel Almedina (innerhalb der Zitadellen-Mauer schöner Park und Museum), das verfallene Templerkastell San Christobal und die festungsartige Kathedrale (1543) mit prächtiger Renaissancefassade und schöner Ausstattung. Almunecar: Malerisch gelegenes Seebad inmitten einer fruchtbaren Gartenlandschaft. Reste eines römischen Aquädukts und einer maurischen Burg. Sehenswert auch die Grotte de los Palacios. Andujar Schönes, altes Städtchen (Zentrum der Olivenproduktion) mit den Kirchen San Miguel (Renaissancefassade und kunstvolle Schnitzereien) und Santa Maria (innen u. a. Gemälde von El Greco und Pacheco) sowie Palästen und einem maurischen Schloß. Nahebei die Wallfahrtskirche Virgen de la Cabeza.
Antequera: Industrie- und Landwirtschaftsstadt mit altertümlichem Ortskern, überragt von den Ruinen eines maurischen Kastells. Sehenswert sind der Turm der Kirche San Sebastian (bunte Ziegel), die Renaissancekirche Santa Maria (gotischer Schnitzaltar) und die Barockkirche Santa Maria del Carmen. Nahebei Dolmen der Jungsteinzeit.
Aracena: Romantische Bergstadt mit den Ruinen einer Templerburg und einem ehem. Minarett neben der Kirche. Sehenswert ist die Gruta de las Maravillas unter dem Burgberg. Ausflüge lohnen sich in die Sierra de Aracena mit Korkeichen-u.Kiefernwäldern Arcos de la Frontera: Malerischer Ort, überragt von einer Burg mit Zinnenmauer. Eindrucksvoll die Portalfront der Kirche Sta Maria de la Asunciön in Platereskstil.

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Buntes Leder aus Ronda

Wenn man sie sieht, die farbenfrohen Lederarbeiten. dann ahnt man nicht, daß die Kunstfertigkeit der „Talabarteros? ihren Ursprung in einem vergleichsweise finsteren Gewerbe hatte: dem Schmugglertum. Viele Einwohner Rondas lebten von diesem gefährlichen Geschäft. Da ihr Gedeih und Verderb aber abhing von der Furchtlosigkeit und Trittsicherheit ihrer Mulis und Pferde, schmückten sie die Tiere zum Dank mit kunstvoll gearbeitetem Zaumzeug.
Das Material ist Segeltuch aus Mälaga, Wolle und Leder aus Ronda und Kupfer aus Huelva. Ihre Berufsbezeichnung „Talabartero? leitet sich von „talabarte?, auf deutsch: Wehrgehänge, ab. Es ist bis heute ein reines Männerhandwerk geblieben.
Noch heute fertigen die Talabarteros farbenfrohes und prunkvolles Zaumzeug an für Besteller aus aller Welt, aber auch einfache und kleine Dinge für den täglichen Gebrauch: Kissen, Gürtel, Taschen und jene aus einer unverwüstlichen Grasart geflochtenen Körbchen, mit denen die Andalusierinnen ihre Blumentöpfe an die Häuserwände hängen. Ein Talarbatero stickt seine geometrischen Muster übrigens nicht nach Zeichnungen, sondern wiederholt aus dem Kopf die seit Generationen in der Familientradition überlieferten Formen und Farben. Die handgefertigten Lederarbeiten von Ronda sind natürlich teurer als die überall angebotenen Industrieprodukte.
Sie sind in ihrer Art aber auch unverwechselbar und haben von ihrer besonderen Farbgebung her und auch von ihrer „dunklen? Tradition einen eigenartigen, einmaligen Reiz.

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Flamenco mit Geisterfingern

Es fährt mit Geisterfingern über die verschwiegenen Plätzchen, zu denen die Huris aus Mohammeds siebentem Himmel niedergestiegen sind, um in die graziösen Brunnenschalen zu tauchen, die vom silbrigen Reichtum ihrer Perlenschätze plätschernd überfließen. Hier raunen nicht nur die Wasser. Leiser noch speln die bußfertigen Nazarener, die steile Kaputze unter den Arm geklemmt, im Schatten der Rosenhecken den Schönen der Osternacht andalusischen Galanterien ins Ohr. Das Pianissimo der morgenländischen Märchenszenerie verhaucht und Raum für das majestätische Andante, mit denn der Cristo del Gran P. der lange nach Mitternacht die verdunkelten Straßen betritt. Dann schallen die Kommandos der Offiziere und knallen die Gewehrgriffe, während die Stadt aufs Knie sinkt. Die Posaunen stechen spitz in das samlichen Disziplin, unter das sich das Volk sonst beugen muß.

Für diesen Augenblick bringt es willig sein Hab und Gut zum Opfer. Die Rivalität der Bruderschaften, die keine materiellen Rücksichten beachtet, wird zu einem Wettlauf der Verschwendungssucht, den der Klerus neuerdings bremst, indem er vorschreibt, daß ein Prozentsatz der Unkosten, welche die Prozession verursacht, für soziale Zwecke abgeführt werden muß. Doch wer vermöchte Sevilla zu bremsen, wenn es entfesselt ist? Abseits der lärmenden Umzüge flüstern in leise atmenden Gärten die Wasserspiele einer unversiegbaren Lebenskunst. Das bleiche Mondlicht liegt auf den kalkigen Fassaden im Barrio de Santa Cruz. Es fährt mit Geisterfingern über die verschwiegenen Plätzchen, zu denen die Huris aus Mohammeds siebentem Himmel niedergestiegen sind, um in die graziösen Brunnenschalen zu tauchen, die vom silbrigen Reichtum ihrer Perlenschätze plätschernd überfließen.

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Flamenco am nachtblauen Himmel

Kaum daß der Klageruf der „Saeta” am nachtblauen Himmel verhallt, setzt sich der Zug wieder in Bewegung. Unter den wippenden Goldborten, mit denen die Throne umkleidet sind, ist nur das tausendfüßlerische Gewimmel hastig tretender Beine zu sehen, die in leichten Segeltuchschuhen stecken. Sie gehören den rauhen Gesellen von jenseits des Flusses, den Bauarbeitern, Schuhputzern, den Lastträgern von den Kais am Guadalquivir, den Proletariern, den Respektlosen, die ein Jahr lang ihr rotes Herz durch alle lästernden Kneipen tragen, um dieses eine Mal freiwillig Pönitenz im Dienst der bombastischen Sänften zu tun. Zwei ragende Gestühle sind es, die mit jeder Prozession dieser atemlosen Woche triumphierend über den Köpfen der hingegossenen Menge einherschweben. Ein Teppich von blutroten Nelken, ein morgenländisches Prunkgewebe von feierlichen Blüten, bedeckt den Boden des mit barocken Kandelabern gezierten Gestells, auf dem der Gekreuzigte die weltumspannenden Arme breitet. Dem Erlöser gilt scheue Verehrung, doch nicht lange verweilt das andalusische Temperament bei dem Drama der Passion. Rasch flüchtet es aus der düsteren Erinnerung der Golgathastunde in die verführerische Pracht des Madonnenkultes.
Das Kreuz ist nicht mehr als der dunkle und wirkungsvolle Hintergrund, vor dem der duftige Rez= der Rosenblätter und Blütenkelche den Pfad der verehrten Frauengestalten netzt. Sie zeichnen mit silbernem Szepter das Signum ihres absolutistischen Regiments zwischen die glitzernden Sterne na andalusischen Firmament. Sobald der GerirIniem den Blicken des schweigsam gewordenen Voll= entschwunden ist, geht es wie ein Aufatmen durch die Reihen, denn in einem Lichterkranz naht der glanzvolle Hofstaat der lieblichen und kindhaften Königinnen, wie sie Murillo malte, der zarten Mädchenskulpturen, wie sie Montafis formte, unwiderstehlicher Appell an die Sinne einer Masse, die bis an den Rand erfüllt ist mit dem ästhetischen Bedürfnis der mediterranen Kultur.
In gemessener Würde schreiten, das Kreuz und den Strahlenthron begleitend, die Bruderschaften einher. Zur violetten Seide der mit goldenen Schärpen gegürteten Gewänder flackern zyklamrote Kerzen. Auf schwarzen überwürfen leuchtet weiß das Kreuz von Malta, auf gelben Umhängen rot das von Santiago.

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Flamenco ist weltlicher Prunk

Alles an den Figuren der gekrönten Skulpturen ist weltlicher Prunk und orientalische Prachtentfaltung, in der sich die Bruderschaften zu überbieten suchen. Die Rivalität zwischen den populärsten der Statuen, die in Karaten von Diamanten, in Zentnern von Silbersäulen und Goldgeschmeiden gewogen wird, führt zu Erbfehden zwischen den einzelnen Vierteln Sevillas. Brillanten und Smaragden ohne Zahl, in denen aller Reichtum eines armen Landes erstarrt zu sein scheint, schmücken die Gestalt der braunen „Macarena”, der „reinen Zigeunerin”, der reichsten und beliebtesten unter den Madonnen, der auf der Straße die gewagten Komplimente zufliegen, mit denen die südliche Menge der weiblichen Schönheit zu huldigen pflegt. Auf dem wuchtigen Traggestell steht die zarte, knapp lebensgroße Figur wie eine Königin auf dem Podest, die Huldigungen ihrer Untertanen entgegennehmend. Über dem lieblich geneigten Haupt wölbt sich ein seidener, schwer mit Gold bestickter Baldachin, und von den schmalen Schultern senkt sich nach rückwärts, bis zum hinteren Rand des Traggestells, eine meterlange und kostbare Schleppe nieder, an der die Frauen und Mädchen Sevillas viele Monate gearbeitet haben. Zu Füßen der „Macarena” aber wurzeln ansteigende Reihen von brennenden Kerzen im Boden des Throns, ein flammender Weinberg, dessen Feuer im Nachtwind flackern, wenn die Herrscherin Andalusiens Umzug durch ihre Hauptstadt hält.
Auf goldenem Gestühl schwankt sie um die engen Windungen kleiner Gäßchen, wo die weißgekalkten Häuser so niedrig sind, daß man das Dach mit ausgestreckter Hand berühren kann. Die unerbittliche Hierarchie und der theokratische Absolutismus, mit dem die Madonnen in Sevilla regieren, wird nie sichtbarer als hier. Ihre Throne sind höher als die Hütten des Volkes, das sich festlich geschmückt auf den Balkonen drängt, kupfergesichtige Männer im Sonntagsstaat und bleiche, großäugige Frauen, von den schwarzen Spitzen der Mantillas umrieselt. Samtene Behänge verhüllen das Gestell der Bahren, unter denen Kolonnen von Trägern die ungeheure Last auf polstergeschütztem Nacken schleppen. Wenn die Männer die Last absetzen, fällt das Volk auf den Balkonen in die Knie, vom Schein des flammenden Weinberges wie auf der Opernbühne angestrahlt, und einer aus der Menge stimmt die inbrünstige „Saeta” an, die in den langgezogenen, schluchzenden Kehltönen des maurischen Gesanges einen Mantel des Schauers auf alle Hörer senkt, ein Echo des islamischen Spanien, das im Raum der Meerenge widerklingt.

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OSTER-SYMPHONIE – Flamenco

Wie das Summen von verhaltenen Stimmen, die im Chor der nahen Kathedrale den Einsatz proben, weht um die wuchtigen Zinnen, mit denen sich die Gärten des Alcäzars umgürten, ein sanfter Hauch der Orangenblüten über die schartigen Mauern her. In diesen österlichen Wochen geht der Atem der Stadt schneller als im übrigen Jahr. Es ist der parfümierte Frühlingsatem Andalusiens, ein Duft aus den vitaminreichen Weihrauchkesseln einer verschwenderischen Natur gestreut, ein wacher Rausch der Farben und des Lichtes. Der Turm der Giralda, die einst die Moschee der Kalifen bewachte, wirft einen seidigen Schatten in feierlichem Faltenwurf über die gotischen Streben, mit denen eine der größten Kirchen der Christenheit im Boden ver- ankert ist. Davor steht im Patio de los Naranjos die Prozession der feierlichen Bäume, die wie in flüsterndem Gebet die Lippen, ihren Blütenkelch, öffnen. Bald wird es mehr sein als ein leiser Hauch, der die samtenen Schultern des Aprilabends umfächelt. Bald wird sich in diesem maurischen Vorhof des Abendlandes die große Woche Sevillas in einem rauschenden Crescendo erheben, das sich nach der österlichen Passion zur überschäumenden Lebensfreude der Feria steigert. Wie Straußenfächer hinter orientalischen Herrscherthronen wiegen sich die Königspalmen über den Häuptern der Kruzifixe, die jedes Dach und jede Kuppel krönen.
Die Stadt ist bereit. Wie immer, wenn sich die Semana Santa nähert, ist sie der Suggestion einer Verklärung anheimgefallen, in der ein vollendetes Stück der Schöpfung sich selbst unablässiges Lob spendet. Nur in einer solchen Umgebung wird die kollektive Entrückung möglich, in der die barfüssigen und vermummten Nazarener wie auf paradiesischen Wolken im Gefolge der verehrten Statuen von Kirche zu Kirche Umzug halten. Die Schäfte der Kreuze, die in der Prozession mitgetragen werden, schleifen am Boden. Die Ketten, um die Knöchel der Büßer geschlungen, klirren über das Pflaster. Sie zeichnen eine schmale Spur, die andalusische Nahtstelle zwischen Islam und Christentum, die mitten durch das Herz Sevillas geht. Schon am Nachmittag, wenn gleißendes Sonnenlicht über dem Guadalquivir liegt, verlassen die tonnenschweren Throne der Madonnen ihre Standplätze in den Vororten und fernen Stadtquartieren, um nach langen Umwegen und ungezählten Stationen erst spät in der Nacht vom vorgeschriebenen Besuch der Kathedrale zurückzukehren, wo alle 47 Prozessionen der Karwoche vor dem majestätischen Chorgitter im Querschiff dem Hochaltar ihre Reverenz erweisen müssen.

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Hier rauen nicht nur die wittene Dunkel. Im Flamenco Rhythmus der Trommeln nimmt der Gekreuzigte Schritt auf für seinen Triumphmarsch hoch über den gebeugten Nacken der Hunderttausende, einen Marsch, der erst endet, wenn die Sonne bereits über dem Häusermeer & den hundert Kirchen Sevillas steht. Dieses Mal, dieses eine Mal bietet sich das Kreuz offen allen Blicken dar & nennt sich bei seinem Namen als die „Große Macht”, die es in den iberischen Boden gepflanzt hat.

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Pianissimo von orientalischer Raffinesse, Andante der herrscherlichen Kirche — doch die österliche Symphonie wäre nicht vollständig ohne den dritten & unentbehrlichen Satz des andalusischen Allegretto. Wenn die Zigeuner von Triana mit ihren Statuen über die große Brücke ins jenseitige Stadtquartier heimwärts ziehen, graut schon der Tag. Die Prozession hat Station gemacht, & die Träger sind in die Tavernen eingekehrt. Wenn die Männer aus den Kneipen zurückkommen & die schweren Throne der gekrönten Frauen wieder auf die Schultern nehmen, fällt das Blech der begleitenden Regimentskapellen in einen torerohaften Paso doble.  Auf dem Rücken des Volkes fangen dann die Statuen an zu tanzen — in immer heftigeren Rhythmen, ein weltlicher & wilder Reigen, & doch eine Huldigung gläubiger Einfalt: mediterraner Blocksberg, über den kein Hexenatem, sondern der zauberhafte, weisheitsträchtige Hauch tausendjähriger Kulturen weht.

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Was ist Flamenco?

Zwischen schwarzen Schmetterlingen schmiegt sich ein braunes Mädchen an eine weiße Schlange aus Nebel. Erde aus Licht, Himmel aus Erde.
Angeschmiedet geht sie an das Zittern eines Rhythmus, dem sie niemals nahekommt. Sie hat ein Herz aus Silber und einen Dolch in der Rechten.
Wohin gehst du, Siguirya, mit deinem Tanzschritt ohne Kopf ? Welcher Mond erbarmt sich deines Schmerzes aus weißem Kalk und roter Blüte? Erde aus Licht, Himmel aus Erde. Wir gingen. Für die Menschen in diesem Zelte war die Tür zu einem Raum aufgerissen worden, den wir nicht mit ihnen begehen konnten, sie tanzten sich in mythische Fernen. Ich hatte das Wunder des Flamenco erlebt. In der kühlen Nachtluft kamen wir wieder zu uns. Wir sprachen nicht viel, am allerwenigsten von dem, was wir gesehen hatten. Antonio wußte nun, daß ich ihn nie mehr fragen würde, was Flamenco sei. Und ich wußte, daß, wenn ich gefragt würde, ob man ihn überhaupt sehen kann, ich ebenso wie Antonio sagen müßte, vielleicht nie, oder schon morgen…

Thema: Spanien, Stierkampf & Flamenco