Flamenco mit Geisterfingern

Es fährt mit Geisterfingern über die verschwiegenen Plätzchen, zu denen die Huris aus Mohammeds siebentem Himmel niedergestiegen sind, um in die graziösen Brunnenschalen zu tauchen, die vom silbrigen Reichtum ihrer Perlenschätze plätschernd überfließen. Hier raunen nicht nur die Wasser. Leiser noch speln die bußfertigen Nazarener, die steile Kaputze unter den Arm geklemmt, im Schatten der Rosenhecken den Schönen der Osternacht andalusischen Galanterien ins Ohr. Das Pianissimo der morgenländischen Märchenszenerie verhaucht und Raum für das majestätische Andante, mit denn der Cristo del Gran P. der lange nach Mitternacht die verdunkelten Straßen betritt. Dann schallen die Kommandos der Offiziere und knallen die Gewehrgriffe, während die Stadt aufs Knie sinkt. Die Posaunen stechen spitz in das samlichen Disziplin, unter das sich das Volk sonst beugen muß.

Für diesen Augenblick bringt es willig sein Hab und Gut zum Opfer. Die Rivalität der Bruderschaften, die keine materiellen Rücksichten beachtet, wird zu einem Wettlauf der Verschwendungssucht, den der Klerus neuerdings bremst, indem er vorschreibt, daß ein Prozentsatz der Unkosten, welche die Prozession verursacht, für soziale Zwecke abgeführt werden muß. Doch wer vermöchte Sevilla zu bremsen, wenn es entfesselt ist? Abseits der lärmenden Umzüge flüstern in leise atmenden Gärten die Wasserspiele einer unversiegbaren Lebenskunst. Das bleiche Mondlicht liegt auf den kalkigen Fassaden im Barrio de Santa Cruz. Es fährt mit Geisterfingern über die verschwiegenen Plätzchen, zu denen die Huris aus Mohammeds siebentem Himmel niedergestiegen sind, um in die graziösen Brunnenschalen zu tauchen, die vom silbrigen Reichtum ihrer Perlenschätze plätschernd überfließen.

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