Heißt billig immer schlechter?

Da die Herstellung von Leder so komplex ist, können hier nicht alle Bearbeitungsschritte im Detail beschrieben werden. Wenn es aber um die eingangs genannte Frage geht, warum die Trense 20, die andere 200 Euro kostet, ist es wichtig, sich bewusst zu machen, wie viele Arbeitsschritte beide Trensen durchlaufen haben. .Jeder Arbeitsschritt für sich spielt eine entscheidende Rolle und kann die Qualität des Endprodukts positiv oder negativ beeinflussen. So drängt sich allerdings die Frage auf, ob billig immer auch schlechter heißt. M. P. sagt: „Im unteren Preissegment ist dies meiner Meinung nach Fall. Sehr billiges Leder ist oft faserig und reißt
schneller. In der mittleren Preisklasse gibt es dagegen auch schon sehr ordentliche Qualitäten.”
Einen großen Einfluss auf den Preis hat die Herkunft des Leders. Weltweit und auf alle Lederarten bezogen ist China inzwischen der größte Lederhersteller. Vor allem die Weiterverarbeitung des Leders ist sehr lohnintensiv – und gerade hier hat Asien deutlich die Nase vorn. In Europa ist die Lederindustrie wegen hoher Umweltauflagen und Kosten rückläufig. Lediglich spezialisierte Gerbereien und solche, die für das hochpreisige Seg­ment produzieren, haben hier noch ihren Markt. Für die Reitsportprodukte spielen sie durchaus eine Rolle. So bezieht Postler ihr Leder vor allem aus Deutschland, sie lobt jedoch auch Leder aus Österreich, England und Italien für seine gute Qualität. Gleichzeitig stellt sie fest, dass Importware aus Indien, Pakistan oder China nicht generell minderwertig sein muss, sondern auch„ok sein kann”. Dem stimmt auch Jörg Rausch, Geschäftsführer der Lederzentrum GmbH, zu. „Nicht alles Leder aus China ist schlecht”, sagt er und fügt noch einen weiteren Aspekt hinzu: Getrickst werde vor allem da, wo große einheitliche Lederstücke gebraucht würden, denn hier falle am meisten Verschnitt an. Prinzipiell gilt: Immer wenn möglichst viel aus einer Haut herausgeholt werden soll, besteht die Gefahr, dass getrickst wird. Dann wird vielleicht die Oberfläche korrigiert oder auch ein Teilstück verwendet, dessen Haut eigentlich zu weich für den angestrebten Zweck ist. Die Haut wird mehrfach gespalten, die Oberfläche mit einer dicken Deckfarbenzurichtung zugeschmiert, die später vielleicht abblättert. Eine klare Einschätzung hat Rausch bei Schuhwerk:”Bei Stiefeln kann man davon ausgehen, dass teure Markenware hochwertiger ist als Billigware, da besseres Leder zum Einsatz kommt.” Generell sei aber hochwertig nicht unbedingt mit stabil und unempfindlich gleichzusetzen. Helles, offenporiges Leder könne sehr hochwertig sein, aber auch sehr empfindlich – man denke nur an Westernsät­tel mit hellem Sitz, auf den die Jeanshose abge­färbt hat. Hier stellen Optik und Robustheit offen­bar einen Zielkonflikt dar.