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Flamenco Showgeschäft und Wirklichkeit

Sonntag, 25. April 2010 1:05

Flamenco Tanz  – Flamenco Gitarre – Flamenco Musik

Wenn Gante jondo zu besonderen Anlässen, zu einer Misa flamenca in Kirchen gesungen wird, scheint er am rechten Ort. Die strenge sakrale Form deckt sich hier mit der Inten­sität, der Innigkeit des Gesanges, die im berufsmäßigen, übertriebenen Geschrei des Flamenco-Gesanges auf dem Tablao verlorengeht. Gute Sänger, wirkliche Cantaores, hört man deshalb selten. Sie werden hei den Tablaos zu schlecht bezahlt, besingen lieber Schallplatten oder reisen mit namhaften Tänzern um die Welt.

Flamenco Tanz  – Flamenco Gitarre – Flamenco Musik

Stunden nehmen? Warum nicht? Ich war Tänzerin, es würde den Horizont erweitern, und ich wollte über Flamenco alles wissen. Also auf! Übrigens war es damals, 1992, die einzige Möglichkeit, wirklichen Flamenco in Spanien zu lernen, wie ich bald erfuhr. Drei Wochen dauerte es, bis der Meister mich, die Ausländerin, als Schülerin würdigte. Im kahlen Tavernenhinter­zimmer der madrilenischen Altstadt gab er Unterricht. Glüh­birne oben, der Gitarrist in der Ecke, der Meister in Filz­pantoffeln auf einem Stuhl.

Flamenco Tanz  – Flamenco Gitarre – Flamenco Musik

„Geh in die Mitte. Baue dich auf. Hebe den Arm. Dann stand er auf und ging Kaffee trinken. Verwirrt sah ich auf den Gitarristen, aber der meinte gleichmütig: „Ja, so ist der Anfang von ,Soleares’. Nur Mut, und rollte geduldig weiche Tonfolgen aus seinem Instrument. Ich wußte, daß Solcarcs, Alegrias, Bulerias, Farruca und Zapateado die fünf Grundtänze waren, die ich hier zu lernen hatte. Aber dieser Anfang war recht seltsam. Zum Glück fielen mir die Worte eines spanischen Philosophen ein: „Das Armheben einer Flamenco-Tänzerin ersetzt hundert Drehungen an­derer.

Flamenco Spanien – Flamenco Andalusien – Flamenco Röcke

Ich versuchte es. Hob den Arm. Hob den anderen, entdeckte allmählich inneres Bewegen; spürte die Verbindung mit der Erde, das Hineintanzen, Nachuntentanzen, im Gegensatz zum Hochstreben der Ballettsprünge gab es hier kein Lösen von der Erde, sondern intensivste Spannung am Platz, erdverbunden, in sie hineinstampfend. Es war das Gesetz, das Geheimnis des Flamenco-Tanzes. Nirgends steht es geschrieben, ich habe es dort entdeckt, gelernt, rein zufällig oder instinktiv. Ich lernte bei dem Alten alle Tänze des Flamenco-Repertoires.

Flamenco Spanien – Flamenco Andalusien – Flamenco Röcke

Vor meiner Stunde hatte Antonio, Spaniens großer Tänzer, Unterricht. Ich lernte den gleichen hochkomplizierten Zapateado, den der Alte tatsächlich mit Filzpantoffeln deutlich machen konnte. Ein sensibles Uhrwerk der Rhythmik, das sich von selbst zusammensetzt, wenn man das erste Rädchen hat.

Flamenco Spanien – Flamenco Andalusien – Flamenco-Tanz

Nach vier Monaten sagte Estampio: „Genug, du hast den duende.
So. Ich hatte den Duende (Dämon). War Eingeweihte des Flamenco. Sozusagen Angehörige eines Geheimordens, aber ich war auch um eine traurige Erfahrung reicher: Daß die schöne, alte Kunst des Flamenco-Tanzes in diesem Tavernenloch damals ihre letzte Zuflucht hatte. Der Alte war der Beste. Man hätte ihm eine Schule geben sollen, in der man ohne pittoreske Schlamperei und Improvisation, die gar nicht nötig war, Flamenco lernen konnte.

Flamenco Tanz  – Flamenco Gitarre – Flamenco Musik

Ich machte die Erfahrung, daß Spanien hier eine Kunstform verschleudert (es hat sich inzwischen nicht viel ge­ändert), die zwar von einzelnen weiter getragen wird, aber mühevoll. Pseudokünstler mischen sich ein, machen Ge­schäfte, verderben den Ruf und die reine Weiterentwick­lung des echten Flamencos — im Dreiklang von Gesang, Gitarre und Tanz —, der zwar Weltruf hat, aber immer dem Zugrundegehen ausgesetzt bleibt. Die sogenannten Tablaos Flamencos sind oft glänzend inszeniert und wahrhaft raffinierte Feste fürs Auge.

Thema: Spanien, Stierkampf & Flamenco | Kommentare deaktiviert | Autor:

Flamenco – Andalusien live erleben -

Samstag, 24. April 2010 0:20

Flamenco Spanien – Flamenco Andalusien – Flamenco & Stierkampf

In Granadas Zigeunerhöhlen am Sacromonte verflachte der Flamenco zum Touristenköder. Eine traditionsreiche Kunst wurde weithin Showgeschäft. Bei ländlichen Fiestas aber spürt man noch etwas von der Erdverbundenheit dieses Tanzes, den Ilse Meudtner von Grund auf studierte.

Flamenco Tanz  – Flamenco Gitarre – Flamenco Musik

Händeklatschen, Röckewirbeln, Füßestampfen; die buntkostümierten Tänzerinnen beschwören heißblütiges Zigeunertemperament. Ihre schmalhüftigen Flamenco Begleiter hacken donnernde Stakkatos in die Podiumbretter; rollende Gitarrenbässe mischen sich in schreienden, ekstatischen Gesang — typical spanish — das genormte Bild einer spanischen Flamenco-Show.

Flamenco Spanien – Flamenco Andalusien – Flamenco & Stierkampf

Dergleichen sogenannte Tablaos flamencos finden sich heute in jedem Touristenort längs der Küsten, in jeder Stadt, wo Fremde Unterhaltung suchen. Früher hat es diese laut­starken Volkstanz-Fiestas nicht gegeben. Erst der in Spa­nien einsetzende Touristenboom rief das florierende Gipsy­Showgeschäft ins Leben, erfand eine neue Amüsierindu­strie, arrangierte Effekte einer uralten Kunst für die flüchti­gen Blicke ausländischer Besucher.
Viele dieser Shows sind glänzend gemacht, spritzig aufge­zogen, variieren den von Bizet erdachten Carmentyp und den Zigeunerrummel „draußen am Wall von Sevilla” auf überzeugende Weise. Die Zuschauer sind begeistert, der Umsatz stimmt, die Shows erfüllen ihren Zweck.

Flamenco Tanz  – Flamenco Gitarre – Flamenco Musik

Mit Flamenco hat das allerdings wenig zu tun. Es ist nur die veräußerlichte Schablone dieser sehr intimen Kunst, einer solistischen Kunst, die sich weder in der Tanzgestal­tung noch in der musikalischen Darbietung in Gruppenauf­tritten produziert. So sind Gitarrist und Sänger noch das Echteste auf dem Showpodium; denn Flamenco-Gitarren­musik wird nicht gedruckt, Gesänge stehen auf keinem Pa­pier, sie bringen sie mit von Dörfern und Fiestas, von durchsungenen Nächten mit Freunden; es gibt keine Schu­len, in denen man sie lernen kann.

Was bedeutet eigentlich Flamenco? Woher kommt das klangvolle Wort Flamenco?

„Es gibt viele Deutungen. So heißt es: Als flämisch oder Flamenco hätte man die verwilderten Soldaten be­zeichnet, die mit Herzog Alba aus Flandern nach Spanien zurückgekehrt waren. Andere sagen: Die aus Deutschland einwandernden Zigeunergruppen seien den Spaniern we­gen ihrer bunten Kleider und der lässigen Bewegungen wie Flamingos vorgekommen. Historiker meinen: Das Wort sei arabischen Ursprungs, bedeute Fellah und mangu, die Be­zeichnung für Volksgesang. Mehr oder weniger blieb das Wort Flamenco jahrhundertelang unbeachtet.

Flamenco Spanien – Flamenco Andalusien – Flamenco & Stierkampf

Doch 1876, als Bizets Oper „Carmen” in Madrid über die Bühne ging, machte das Wort Furore. Flamenco wurde In­begriff alles Locker-leicht-erotischen, brachte die bisher etwas geringschätzig betrachtete Kunst der andalusischen Zigeuner in Mode, machte sie salonfähig und bühnenreif. Es entstanden die berühmten „Cafes cantantes”, die um die Jahrhundertwende ihre Blütezeit hatten und zu Treffpunk­ten der Flamenco-Aficionados wurden. Als dann die leichte Muse samt Couplets und Dekolleres auf diesen Bühnen ein­zog, nahmen die Senoritos ihre inzwischen hochgeschätzten Flamencokünstler mit in private Kreise, und noch heute sind andalusische Herrenhäuser in Sevilla, Jerez und Cädiz Hochburgen des Flamencogesanges, des Cante jondo. Wer zum erstenmal Cante jondo (oder hondo gleich tief) hört, ist kaum begeistert. Die Fremdartigkeit der Tonfol­gen, der eigenartige Ablauf der Rhythmen haben keine Beziehung zu europäischer Musik und sind nicht leicht nachzuempfinden. Da sind keine heiteren Volkslieder, eher intime, gesungene Erzählungen Einzelner; Mitteilungen über Gott, das Leben, die Frau, die Natur.

Flamenco Tanz  – Flamenco Gitarre – Flamenco Musik

Manuel de Falla wies im Cante jondo byzantinische, griechische, hebräische und arabische Einflüsse nach, die sich mit andalusischer Volkskunst mischten und von den mit­teilsamen Zigeunern durch die Jahrhunderte weitergetragen wurden. In unserer Zeit wirkt dieser rätselhafte Gesang wie der Ausdruck eines esoterischen Kultes vergangener Zivili­sationen.

Thema: Spanien, Stierkampf & Flamenco | Kommentare (0) | Autor: